10. Mai 2022

Die Rückfallquote bei Straftätern ist bei rund 80% (78% in Deutschland, Kiwix). Dazu kommt noch die Dunkelziffer (nicht registrierte Delikte) von Schätzungsweise 10-15%. Da bleiben noch ca. 5%, bei denen die Resozialisierung funktioniert hat. Ich nehme an, dass das die im Gefängnis verstorbenen Personen sind. Man kann also mit gutem Gewissen sagen, Resozialisierung und Reintegration funktionieren NICHT, mit anderen Worten: Strafen sind Rache oder Vergeltung für Menschen, die nicht derselben Ansicht sind wie anderer Menschen. Ist irgendjemand in der Geschichte der Menschheit jemals erwischt und bestraft worden und hat daraus etwas gelernt? Ausser sich nicht erwischen zu lassen? Vermutlich nicht.

Resozialisierung setzt ja voraus, dass man vorher asozial war. In der Haft wird man dann sozialisiert. Ich war also 47 Jahre asozial, dann wurde ich kriminell und jetzt werde ich sozial. Gut wurde ich kriminell. Wer weiss was da noch alles hätte passieren können?

Um das klar zu stellen: Ich verabscheue Diebe, Betrüger und Gewalttäter. Trotzdem, einsperren ist keine Lösung. Ich weiss, warum es nicht funktioniert, ich weiss auch, was funktionieren könnte. Ich weiss es aber nicht mit Sicherheit, natürlich nicht. Es wurde ja noch nie probiert. Hier ein paar Vorschläge:

Erst mal müsste die Untersuchungshaft auf drei Monate limitiert werden. Nur in Extremfällen wird ein Antrag auf Verlängerung der Untersuchungshaft bewilligt und auch dann nur um maximal drei weitere Monate. Das gäbe den Insassen innert nützlicher Frist die Möglichkeit, wieder mit der Welt zu kommunizieren, ihre Geschäfte zu erledigen und ihre Beziehungen zu pflegen. Ich war 20 Monate in Untersuchungshaft und ich konnte keine Abos mehr bezahlen, wie z.B. mein iCloud Konto, auf dem ich fast 10 Jahre an Erinnerungen habe. 20‘000 Fotos. Die, nebenbei erwähnt, alle von der Polizei gesichtet wurden, was eine absolute Frechheit ist und den Selbstwert senkt und den Hass schürt. Die Würde des Menschen ist zu achten, ha… Arschloch! Ich weiss nicht, ob ich die noch habe. Ich weiss nicht ob, die gelöscht werden. Ich hatte seit nunmehr 23 Monaten keinen Zugriff mehr aufs Internet. Ich widerhole die Passwörter, die ich noch kenne, regelmässig in meinem Kopf, um nicht noch mehr zu verlieren.

Da wären wir auch schon beim nächsten Punkt. Man sollte die Möglichkeit haben, sich selbst um Dinge zu kümmern. Sagen wir mal so: das wäre dann fast so wie im richtigen Leben. Wenn man niemanden hat, der die Sachen erledigen kann, dann verliert man sein ganzes Leben. Job, Geschäft, Wohnung, Haus, Familie, Freunde, Partner, einfach alles was einen zu einem sozialen Wesen gemacht hat. Warum heisst es eigentlich Resozialisierung, wenn es doch in Wirklichkeit eine Entsozialisierung ist? Man sollte eine Kreditkarte haben. Man sollte sie regelmässig laden können, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Man müsste Zugriff auf das Internet haben. Von mir aus beschränkt oder begleitet. Hauptsache, man kann seine Sachen erledigen.

Wie wäre es, wenn man nach der Haft Aussicht auf ein lebenswertes Leben hätte? Sagen wir mal, man würde im Knast etwas lernen, das man draussen anwenden kann, um sich finanziell abzusichern? Ich meine jetzt nicht die Angebote, die es bereits gibt und die zweifellos hilfreich sein können. Leider oft nur für junge Leute, oder Menschen mit sehr langen Haftstrafen. Bei letzteren ist fraglich, ob das wirklich sinnvoll ist.


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